• Welche Möglichkeiten zur Entwöhnungsbehandlung gibt es?

    Es werden vornehmlich zwei Behandlungsmöglichkeiten angeboten:

    • medikamentöse Behandlung,
    • psychotherapeutische Behandlung.

    Diese beiden Formen können auch kombiniert werden.

    Medikamentöse Behandlung

    Eine Behandlung mit Medikamenten erfolgt meist nur zum Zweck, die körperlichen Alkoholfolgekrankheiten zu beheben. Eine Therapie des Alkoholismus selbst mit Medikamenten ist nicht möglich. Medikamente sind stets nur Hilfsmittel für die Behandlung des Alkoholismus (z. B. Antabus).

    Psychotherapeutische Behandlung

    Die Psychotherapie ist das für die Entwöhnung entscheidende Verfahren. Es gibt verschiedene Formen der psychotherapeutischen Behandlung des Alkoholkranken. Welche Form schließlich anzuwenden ist, hängt einerseits ab vom Alkoholkranken selbst, den körperlichen, psychischen und sozialen Folgen seines Trinkens, andererseits von der jeweiligen therapeutischen Einrichtung, bei der die Behandlung durchgeführt wird. Die einzelnen Institutionen haben unterschiedliche Erfahrungen mit den einzelnen Methoden. Wichtig ist vor allem, dass diese Verfahren intensiv und fachkundig angewandt werden.

    Was ist mit Psychotherapie bei der Entwöhnungstherapie gemeint?

    Seelische Probleme spielen bei Alkoholkranken eine wesentliche Rolle. Dabei ist es häufig gleichgültig, ob die seelischen Probleme Ursachen oder Folgen der Krankheit sind: in jedem Fall müssen sie psychotherapeutisch behandelt werden.

    Psychotherapie ist eine Sammelbezeichnung für viele Methoden, mit denen ein Therapeut auf die seelischen Probleme eines Patienten einwirken kann. Die bekanntesten psychotherapeutischen Verfahren sind: Psychoanalyse, Gesprächspsychotherapie, Verhaltenstherapie, Familien- oder Partnertherapie. Alle diese Methoden können in Einzelsitzungen oder/und in der Gruppe durchgeführt werden. Die Therapie in der Gruppe hat sich als die wirksamste Behandlungsmethode für Alkoholkranke erwiesen. In der Gruppe kann der Alkoholkranke von seinen Erlebnissen und Leiden erzählen, ohne von den anderen abgewertet zu werden. Er entlastet sich dadurch von dem starken Druck, ganz allein mit seiner Problematik fertig werden zu müssen. Außerdem erfährt er, dass andere die gleichen Probleme, Schwierigkeiten und Leiden durchgemacht haben wie er selbst. Seine Minderwertigkeitsgefühle werden dadurch weniger, er gewinnt an Selbstsicherheit. Die Gruppe kann ihm neue mitmenschliche Beziehungen eröffnen, die oft lebenslang aufrecht erhalten werden.

    In der therapeutischen Praxis ist es vielfach üblich, diese und andere Methoden zu kombinieren, um für den einzelnen Patienten eine möglichst wirksame und umfassende Besserung seiner seelischen Probleme zu erreichen.
    Psychotherapie in der Entwöhnungsbehandlung meint deshalb, dass im Verlauf der Behandlung alle jene Therapiemethoden Anwendung finden, die sich in der Behandlung von Alkoholkranken als wesentlich erwiesen haben. Es sind noch zusätzlich zu nennen: autogenes Training, Arbeitstherapie und Beschäftigungstherapie. Eine eingehende Besprechung all dieser psychotherapeutischen Verfahren kann hier nicht erfolgen.

    Die verschiedenen Fachkliniken und ambulanten Beratungs- und Behandlungsstellen kombinieren in ihren Therapieprogrammen die einzelnen Behandlungsmethoden unterschiedlich. Neben anderen Gesichtspunkten, die bedacht werden müssen, ist es deswegen auch wichtig, dass die Stelle, die den Alkoholkranken auf eine Behandlung, z. B. in einer Fachklinik, vorbereitet und ihn dorthin überweist (s. Kontakt- und Motivierungsphase) überlegt, welche Behandlungseinrichtung für den Betroffenen am geeignetsten ist.

    Wo wird die Entwöhnungsbehandlung durchgeführt?

    Die Behandlung der Alkoholkranken wird entweder ambulant in Beratungsstellen oder stationär in Suchtfachkrankenhäusern durchgeführt. Der Vorteil der ambulanten Behandlung ist, dass der Kranke im Kreise seiner Familie verbleibt und weiter regelmäßig seine Arbeit verrichtet. In fortgeschrittenen Fällen erscheint jedoch eine ambulante Betreuung nicht mehr möglich. Die Behandlung muss dann je nach Schwere der Krankheit und den vorhandenen Möglichkeiten in spezialisierten Kliniken für Alkoholkranke (Suchtfachkliniken), an psychiatrischen Abteilungen der Allgemeinkrankenhäuser oder in psychiatrischen Landeskrankenhäusern stationär durchgeführt werden.

    Wie wird die Entwöhnungsbehandlung in einem Suchtfachkrankenhaus durchgeführt?

    Die Behandlung in einem Suchtfachkrankenhaus dauert gewöhnlich mehrere Monate. In dieser Zeit finden Gruppen- und Einzelgespräche statt, außerdem tägliche Arbeits- und Beschäftigungstherapie in den verschiedenen Werkstätten, die einem Suchtfachkrankenhaus meist direkt angegliedert sind. Oft werden physikalische Therapie (Bäder, Sport), Musik- und Entspannungstherapie durchgeführt. In der Regel werden auch die Angehörigen in die Behandlung mit einbezogen. Die Ehepartner oder nahe Bezugspersonen werden zu sogenannten Ehe- oder Partnerseminaren eingeladen und verbringen ein Wochenende oder eine ganze Woche lang am Ort der Fachklinik. In Gruppen-und Einzelsitzungen wird dabei versucht, Probleme zwischen den Partnern anzusprechen, zu klären und auszuräumen.

    Die Fachkrankenhäuser unterscheiden sich durch die Dauer des Aufenthaltes in der Klinik (wenige Wochen bis 6 Monate) und durch das Angebot anderer bzw. zusätzlicher Behandlungsmethoden. Die Aufnahme in ein Suchtfachkrankenhaus bzw. in ein Nervenkrankenhaus mit einer Suchtfachabteilung erfolgt in der Regel über Psychologen oder Sozialarbeiter in Beratungsstellen, aber auch über Ärzte.

    Was geschieht in ambulanten Beratungs- und Behandlungsstellen?

    Ambulante Beratungs- und Behandlungsstellen gibt es in allen größeren und in vielen mittleren und kleinen Städten. Ihre Träger sind häufig freie Wohlfahrtsverbände (z.B. Caritas, Diakonisches Werk) oder Alkohol-Selbsthilfe-Gruppen (Blaues Kreuz, Kreuzbund u.a.). Manchmal sind sie auch Gesundheitsämtern angegliedert.
    Die Aufgaben dieser Beratungsstellen sind vielfältig. Im Vordergrund steht aber die Betreuung des Alkoholkranken. Mit Betreuung ist dabei gemeint: Den Kranken über Grundbegriffe, Ursachen und Folgen des Alkoholismus und Therapiemöglichkeiten informieren, seine Motivation zur Behandlung wecken und Hilfestellung bei Anträgen für eine stationäre Behandlung zu geben.

    In manchen Beratungsstellen werden die Kranken auch ambulant behandelt, sofern sie gut motiviert sind und ihr gesundheitlicher und sozialer Zustand dies gestattet. Im Rahmen dieses Aufgabenbereiches ist auch die in verschiedenen Fällen nötige Weiterbehandlung eines Alkoholkranken nach Entlassung aus der Klinik zu sehen.

    Neben der Versorgung und Betreuung von Suchtkranken ist ein weiterer Aufgabenschwerpunkt für die Beratungsstellen ihre Mitarbeit bei der Vorbeugung gegen den Suchtmittelmissbrauch. Durch Veranstaltungen in Schulen, Betrieben und anderen öffentlichen und gewerblichen Institutionen oder durch vielfältige Aktionen in der Öffentlichkeit versuchen die meisten Beratungsstellen, bei den Mitbürgern das Bewusstsein zu fördern, dass sich auch ohne Alkohol bzw. mit mäßigem Trinken das Leben ebenso angenehm oder vielleicht sogar besser gestalten lässt. Diese vorbeugende (präventive) Arbeit der Beratungsstellen erfolgt häufig auf regionaler und überregionaler Ebene, im Verbund ("Suchtarbeitskreis") mit anderen an der Suchtkrankenhilfe beteiligten Institutionen wie z. B. den Krankenkassen.

    Wie wird eine ambulante Entwöhnungsbehandlung durchgeführt?

    Die ambulante Entwöhnungsbehandlung wird gewöhnlich neben der beruflichen Tätigkeit des Alkoholkranken durchgeführt. Sie geschieht deshalb auch meist in den späten Nachmittags- oder frühen Abendstunden. Die Therapie findet entweder als Einzel- oder als Gruppentherapie statt.

    Im Allgemeinen ist für die Therapie ein fester Zeitplan über Wochen oder Monate hinweg vorgesehen. Die ambulante Behandlung ist sehr intensiv, der zeitliche Aufwand deshalb auch hoch. Der Patient muss sich dazu verpflichten, nach Möglichkeit an allen Sitzungen teilzunehmen. Ausnahmen sind meist schriftlich geregelt. Im Verlauf der Behandlung können immer wieder Alkohol-Test-Stichproben vorgenommen werden, bei mehrmaligem Verstoß gegen die Abstinenzregel muss der Patient mit seinem Ausschluss aus der Gruppe rechnen. Zumindest zu Beginn der ambulanten Behandlung ist die Kontrolle durch den Therapeuten also sehr stark.

    Auch hier werden in vielen Fällen die Partner in die Therapie mit einbezogen, um familiäre Probleme zu behandeln, die Folge oder sogar eine wichtige Ursache für die Krankheit sind.

    Welche Vor- und Nachteile haben ambulante bzw. stationäre Entwöhnungsbehandlungen?

    In folgender Tabelle sind einige wichtige Gesichtspunkte über die Vor-und Nachteile von ambulanten und stationären Entwöhnungsbehandlungen aufgeführt. Bei der Betrachtung der einzelnen Punkte wird deutlich, dass man nicht sagen kann, die eine oder die andere Therapieform sei besser. Für die Entscheidung, ob ein Alkoholkranker stationär oder ambulant entwöhnt werden soll, muss man vielmehr vom Einzelfall ausgehen und sich fragen, welche Behandlung in diesem Einzelfall am ehesten erfolgversprechend erscheint. Dabei können noch viele andere Gesichtspunkte als die oben aufgeführten eine wichtige Rolle spielen.

    Tabelle. Vor- und Nachteile bei ambulanten und stationären Entwöhnungsbehandlungen

    Vor- und Nachteile bei ambulanten und stationären Entwöhnungsbehandlungen

    Welche Erfolgsaussichten hat eine Behandlung?

    Die Erfolgsaussichten einer zielbewussten und kontinuierlich durchgeführten Behandlung sind viel besser als oft angenommen wird. So sind nach neueren Nachuntersuchungen an deutschen Patienten über 50% 18 Monate nach Entlassung aus einer stationären Entwöhnungsbehandlung noch abstinent; sie weisen außerdem eine deutliche Verbesserung in ihrem Allgemeinbefinden, ihrem gesundheitlichen Zustand und ihrer beruflichen und familiären Situation auf. Aber auch eine ausschließlich ambulante Behandlung kann bei Alkoholkranken zu ähnlich guten Ergebnissen führen, wenn bestimmte Voraussetzungen gewährleistet sind. Gelegentlich kleinere Rückfälle kommen auch bei sonst günstigem Verlauf vor. Es wäre sicher falsch, diese sozusagen automatisch als Scheitern der Behandlung werten zu wollen. Viel sinnvoller erscheint es, den Rückfall "aufzuarbeiten" und zusammen mit einem Berater herauszufinden, auf welche Gründe der Rückfall zurückzuführen ist.

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