Entzugserscheinungen der Alkoholabhängigkeit

Worin zeigt sich die körperliche (=physische) Abhängigkeit vom Alkohol (Entzugserscheinungen)?

Die körperliche Abhängigkeit ist die Folge eines langjährigen, übermäßigen Alkoholgenusses und der dadurch entstandenen Anpassung des Körpers an den Alkohol: der Körper entwickelt eine Toleranz (Toleranzentwicklung). Die Wirkung der Droge, in diesem Fall des Alkohols, lässt nach bzw. der Körper braucht immer mehr von der Droge, um die ursprüngliche Wirkung zu erreichen (Dosissteigerung). Trinkt der Kranke aus irgendwelchen Gründen (z. B. Unfall mit anschließendem Krankenhausaufenthalt) einige Tage keinen Alkohol mehr, kann sich der Körper nicht umstellen; Entzugssymptome sind die Folge (z.B. Zittern, Brechreiz, starkes Schwitzen, Schlafstörungen, Angst und Unruhe); sie können sich bis zu einer schweren, lebensgefährlichen Geistesstörung (Alkoholdelir) steigern.

Worin zeigt sich die psychische Abhängigkeit vom Alkohol («Kontrollverlust»)?

Wer einmal erfahren hat, dass Alkohol ein Nachlassen von Angst und Spannung oder eine Verbesserung der Stimmung und der Leistungsfähigkeit bewirken kann, wird in ähnlicher Situation immer wieder vom Alkohol eine derartige Wirkung erwarten und deswegen ein Verlangen nach Alkohol verspüren, dem allmählich kaum mehr widerstanden werden kann. Dieser Zustand wird als psychische Abhängigkeit bezeichnet. Der Abhängige trinkt dann im Verlauf seiner Krankheit immer mehr und immer häufiger. In vielen Fällen ist damit eine zunehmende Verschlechterung oder gar ein Verlust der Kontrolle über den Alkoholkonsum verbunden («Kontrollverlust»).

Der «Kontrollverlust» setzt nur selten bereits beim ersten Schluck Alkohol ein: In diesem Falle trinkt der Kranke mit großer Gier innerhalb kürzester Zeit sehr viel Alkohol bis hin zur völligen Trunkenheit. In den meisten Fällen aber vermag der Betroffene geringere Mengen Alkohol problemlos zu trinken. Erst nach 3-4 Gläsern ist er nicht mehr in der Lage, mit dem Trinken aufzuhören und trinkt dann wesentlich mehr, als er eigentlich wollte. Typisch ist hier die Aussage vieler Alkoholkranker: «Nach ein paar Bieren beginnt bei mir erst der Durst.»

Die Tatsache, «geringe Mengen Alkohol zu vertragen», verleitet viele Alkoholkranke immer wieder zu dem Versuch, kontrolliert zu trinken. Der Vorsatz und leider oft auch der ärztliche Rat, sich nur auf 2 oder 3 Biere zu beschränken, verkennt die Problematik der psychischen Abhängigkeit völlig. Kontrolliertes Trinken gelingt dem Alkoholkranken meist nur tage- oder vielleicht wochenlang. Dann aber – aus irgendeinem Anlass – wird diese Trinkmenge überschritten. Damit ist der Rückfall endgültig eingetreten. Weitere Zeichen psychischer Abhängigkeit sind die Einengung der Interessen auf Alkohol sowie das Trinken trotz eindringlicher Warnungen durch den Arzt oder andere Fachleute. Obwohl der Betreffende sich völlig im Klaren darüber ist, dass diese Warnungen gerechtfertigt sind, kann er sein Trinken nicht beenden: er trinkt sozusagen wider besseres Wissen!

Was ist «Spiegeltrinken»?

Viele Alkoholkranke, die aufgrund von Konflikten oder aus Gewohnheit alkoholkrank wurden, fühlen sich nur dann wohl, wenn sie eine bestimmte Menge Alkohol, also einen bestimmten «Alkoholspiegel» im Blut haben. Da aber der Alkohol im Körper laufend abgebaut wird, muss der Alkoholkranke den abgebauten Alkohol immer wieder ergänzen, weil sonst Entzugserscheinungen auftreten. Diesen steten Versuch, den «Alkoholspiegel» aufrechtzuerhalten, nennt man «Spiegeltrinken».

Was ist Erleichterungstrinken?

Von Erleichterungstrinken spricht man, wenn für einen Menschen Ängste, Minderwertigkeitsgefühle, Einsamkeit und viele andere Probleme leichter zu ertragen sind, wenn er Alkohol trinkt. Dieses Erleichterungstrinken steht häufig am Anfang des Weges zum Alkoholismus, führt zu immer größeren Schwierigkeiten und dadurch wieder zu häufigerem und stärkerem Trinken («Teufelskreis»).

Sich Probleme durch Alkoholtrinken zu erleichtern, bedeutet aber keinesfalls, dass diese Probleme auch gelöst werden — im Gegenteil, der Alkohol verhindert ihre Lösung, schafft aber zusätzlich neue! Alkohol ist bereits deshalb kein geeignetes Mittel, mit Problemen fertig zu werden!

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