• Praktische Ratschläge für Angehörige. Symptome des Alkoholismus

    Leben mit einem Alkoholkranken

    Das Leben mit einem Alkoholsüchtigen ist nicht nur schwer – manchmal ist es einfach unerträglich. Und trotzdem müssen viele Frauen die Ehe mit einem trunksüchtigen Partner jahre- und jahrzehntelang aushalten.

    Bestimmend für die Krankheit sind nicht Trinkmengen selbst (da viele gewohnheitsmäßig und relativ viel trinken ohne Alkoholiker zu sein), sondern der Charakter des Verhaltens eines Menschen zu dem Alkoholkonsum, nämlich eines Suchtverhaltens.

    Die wichtigsten Symptome des Alkoholismus

    (das Vorhandensein von mindestens drei davon lässt den Beginn einer Alkoholkrankheit diagnostizieren).

    • Oft wird mehr Alkohol oder über längere Zeit konsumiert als geplant.
    • Man wünscht nachdrücklich, den Alkoholkonsum zu reduzieren und hat bereits einige erfolglose Versuche hinter sich.
    • Viel Zeit wird dazu gebraucht, Alkohol zu beschaffen, zu konsumieren (periodische Trunksucht) oder sich von seiner Wirkung zu erholen (Entzugserscheinungen).
    • Man ist oft alkoholisiert, wenn man seine Arbeit tun muss. Wichtige Aspekte des Lebens werden vernachlässigt oder diesen wird wegen des Alkoholkonsums weniger Zeit geschenkt.
    • Anhaltendes Trinken trotz der vom Alkohol verursachten Probleme (Beziehungskrisen, Depressionen, akute Zustände, Probleme bei der Arbeit).
    • Bedarf an zunehmend größeren Mengen an Alkohol um die Betrunkenheit hervorzurufen oder deutlich geringere Effekte bei dem Konsum gleicher Alkoholmengen.
    • Alkohol wird angenommen, um die Entzugserscheinungen zu erleichtern oder zu verhindern („Katerschluck“).

    Sie können ganz verschieden sein – Gründe, die zu einer Abhängigkeit geführt haben. Aber sie einfach festzustellen und den Alkoholsüchtigen darüber aufzuklären reicht nicht aus, um seine Lebensweise umzustellen. Es kommt selten vor, dass sich der Alkoholkranke selbst zu einer Behandlung entscheidet und es liegt an der Familie und den Freunden, dass es so weit kommt. Eine Spezialklinik für Leute mit problematischem Trinkverhalten kann eine mögliche Lösung sein, es ist auch ratsam, den Alkoholsüchtigen über anonyme Alkoholiker in der Nähe unauffällig zu informieren. Das bedeutet aber nicht, dass sie für ihn einen Termin beim Arzt oder das erste Treffen der Gruppe vereinbaren müssen – das soll der Alkoholkranke selbst tun! Aber es ist die Familie, die dabei sein und den Alkoholiker in allen Behandlungsetappen unterstützen muss, indem sie auch den möglichen Rückfällen ohne Panik entgegensieht.

    Man darf aber auch auf keinen Fall sich selbst vergessen, wenn man seinen Nächsten auf dem Weg zur Genesung begleitet: Es bedarf viel Kraft, mit einem Alkoholiker zusammen zu sein. Ständige Angst vor Rückfallen kann Ihre körperliche und psychische Gesundheit ruinieren. „Es ist besser, Sie geben zu, dass Einiges in einer Beziehung einfach unmöglich ist“, so die französische Psychoanalytikerin Marie-Claire Lejosne. „Das lässt Sie Spannungen abbauen und sich von der Situation distanzieren“.

    Zwingen Sie ihn nicht dazu, seine Krankheit zu gestehen

    Es gibt viele Gründe, die einen zum Alkohol greifen lassen: die genetische Veranlagung, der Wunsch, Schwieligkeiten im Leben zu entgehen, problematische Familienverhältnisse, der Einfluss der Umgebung. Jedoch neigen Familien und Freunde der Alkoholiker – ohne auf Einzelheiten einzugehen – zu den möglichst einfachen Erklärungen: Willensschwäche, Versagen, Minderwertigkeitskomplexe. Die Verwandten eines Alkoholkranken bilden sich oft ein, der sei nur willensschwach, oder versuchen Flaschen zu verstecken, aber da werden sie dem Ziel nicht näher: Der Trinker trinkt weiter. Das wird von den Familienmitgliedern oft unbewusst getan, um die Komplexität des Problems nicht zugeben zu müssen, sich vor negativen Emotionen zu schützen. Daher auch anhaltende Versuche, den Trinker zum Eingestehen seiner Krankheit zu bringen. Man glaubt, ein Alkoholsüchtiger habe sich nur seiner Probleme bewusst zu werden und aufzuhören, die Anderen und sich selbst zu betrügen. Trotzdem kann ein Alkoholiker seine Abhängigkeit sehr selten zugestehen – für ihn ist das eine Art psychologischer Schutz. Zu viel Aufdringlichkeit seitens der Verwandten und Freunde führt nur dazu, dass sich der Süchtige gedemütigt fühlt und negative Emotionen auf eine gewohnte Weise abzubauen versucht – durch Alkohol.

    Was soll nun die Familie eines Alkoholkranken tun?

    In erster Linie ist es wichtig zu beachten, wie eine Beziehung mit dem Alkoholiker aufgebaut wird: Die Familiensituation ist einer der wichtigsten Faktoren, die die Trunksucht bestimmen. Man sollte sich (ohne sich selbst zu beschuldigen) seiner Involviertheit in die Familie bewusst werden – die Familie als System, das aus Ihnen und Ihrem trunksüchtigen Partner besteht. Man muss auch berücksichtigen, dass der Ehepartner eines Alkoholikers an seiner Rolle eines Pflegers oft unbewusst Spaß findet. Einerseits freut sich die Familie endlich auf ihre Ruhe, während das alkoholsüchtige Familienmitglied trinkt oder sich von dem Alkoholkonsum erholt.

    Der zweite Schritt ist jedoch, dass die Familie eines Alkoholkranken versucht, wieder ein normales Leben zu führen. Eine Situation, bei der die ganze Lebensweise der Familie von dem Zustand ihres suchtkranken Mitglieds bestimmt wird, würde eine Co-Abhängigkeit bedeuten. Sobald sich aber die Verwandten an ihre eigene Lebensweise halten, statt sich nur um den Alkoholiker zu kümmern, bekommt er wieder eine Chance auf ein normales Leben und andere Interessen.

    „Es ist eine ganze Welt, die sie einem Alkoholkranken entnehmen. Was bekommt er dafür?“, schrieb der russische Psychiater Pjotr Gannuschkin. Dem Trunksüchtigen sollten immer Alternativen angeboten werden: Kino, Freundetreffen, Reisen… Es ist auch nicht seine Alkoholsucht, die besprochen werden soll, sondern Ihr innerer Zustand, Ihre Gefühle, sei es auch negative Emotionen wie Machtlosigkeit und Empörung. Dann braucht der Alkoholkranke sich nicht gegen Vorwürfe zu wehren und ist gezwungen, die Meinung der Familie zu akzeptieren.

    Der dritte Schritt, der erstaunlicherweise oft am schwersten fällt, besteht darin, Ihr Familienmitglied ohne seinen Alkoholismus anzunehmen. Die Familie und Freunde sind nicht immer bereit, seine wahre Persönlichkeit zu entdecken, die sich lange Zeit hinter der Flasche versteckt hat.

    Leider ist die Sache mit dem Verzicht auf Alkohol noch bei weitem nicht erledigt. Auch wenn der Partner darauf lange gewartet hat, erweist er sich oft als nicht bereit zu dem Treffen mit der Persönlichkeit, die sich früher hinter der Flasche versteckt hat. Schlechte Laune ist nicht die einzige negative Änderung im Verhalten des wieder „cleanen“ Alkoholikers, und darauf soll man vorbereitet sein. Ganz unerwartete Charaktereigenschaften treten in den Vordergrund, darunter auch die unangenehmsten, und es kann zu einer ernsten Prüfung der Familien- und Freudenverhältnisse kommen.

    Da es um ihn nicht mehr ständig gekümmert wird, kann der ehemalige Alkoholiker auf andere Weise die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Zum Beispiel durch Krach in der Familie und bei der Arbeit, körperliche und psychische Beschwerden. Der beste Weg, Ihrem Nächsten in dieser Situation zu helfen ist ihn ohne seinen Alkoholismus anzunehmen und ihm die Möglichkeit einer Re-Integration in die Gesellschaft und Familie zu geben. Und wenn er sich früher nur mit seiner Rolle eines Alkoholikers abfinden musste, soll er nach dem Verzicht auf Alkohol wieder in seinen sozialen Rollen des Ehepartners, des Kollegen und des Elternteils akzeptiert werden, um in einem normalen gesunden Leben erneut Gleichgewicht finden zu können.

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